
Kimchi auf Focaccia? Genau deshalb.
Kimchi auf italienischer Focaccia? Für manche klingt das nach Regelbruch. Für uns beginnt genau dort die spannende Seite des Kochens. Eine Geschichte über Fermentation, Neugier und den Mut, Dinge anders zu machen.

Man merkt oft nicht im Moment selbst, dass etwas größer ist als alles, was davor war. Erst später, wenn man zurückschaut, wird klar, dass sich an einer bestimmten Stelle etwas verschoben hat.
Tapparo ist genau so ein Punkt für uns.
Wenn wir ehrlich sind, haben wir beide schon viele berufliche Leben hinter uns. Angestellt, selbstständig, gegründet, beendet, neu angefangen. Projekte gebaut, Entscheidungen getroffen, die sich im Moment richtig angefühlt haben und später neue Fragen aufgemacht haben.
Nichts davon war geradlinig. Eher eine Abfolge von Versuchen, Korrekturen und Lernschleifen.
Und trotzdem fühlt sich dieser Schritt anders an.
Nicht unbedingt, weil er „größer“ ist im romantischen Sinn, sondern weil er endgültiger ist. Es gibt kein gedankliches Zurück mehr in die Theorie. Was wir hier entscheiden, wird Realität.
Von außen wirkt Gastronomie oft klarer, als sie ist. Ein Ort, an dem gekocht, serviert, wiederholt wird. Ein funktionierender Ablauf.
Von innen ist es etwas anderes.
Es ist eine Branche mit extrem engen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, hoher operativer Dichte und einer ständigen Gleichzeitigkeit von Anspruch und Realität. Qualität kostet, Prozesse müssen sitzen, Personal muss funktionieren, und am Ende steht immer der Gast mit einer sehr direkten Rückmeldung.
Es gibt wenig Puffer zwischen Idee und Ergebnis.
Und genau das macht es so anspruchsvoll.
Die Frage, die uns in den letzten Monaten immer wieder begegnet ist, war ziemlich einfach formuliert: Warum tut man sich das an?
Die ehrliche Antwort ist nicht laut. Sie ist auch nicht heroisch.
Es ist eher der Wunsch, ein System zu bauen, das sich richtig anfühlt. Nicht im Sinne von perfekt, sondern im Sinne von stimmig.
Ein Ort, der funktioniert, ohne kompliziert zu sein. Ein Betrieb, der klar ist, ohne starr zu werden. Ein Konzept, das sich nicht hinter Begriffen versteckt, sondern im Alltag trägt.
Jetzt ist das kein Gedankenspiel mehr.
Wir haben den Mietvertrag unterschrieben. Der Raum ist da. Und mit ihm eine sehr konkrete Realität.
Ab diesem Punkt verschiebt sich alles. Planung wird Umsetzung. Idee wird Bau. Diskussion wird Entscheidung.
Und plötzlich geht es nicht mehr darum, ob etwas gut klingt, sondern ob es gebaut werden kann.
Dazu kommt eine ziemlich klare Deadline: unser Soft Opening am 30.05.
Das verändert den Blick auf jede einzelne Entscheidung.
Ein Satz begleitet uns durch diesen Prozess: no rules, just taste.
Er klingt leicht, fast spielerisch. In der Umsetzung ist er das Gegenteil.
Denn er bedeutet nicht Beliebigkeit, sondern Verantwortung im Moment. Entscheidungen nicht aus Regelwerken abzuleiten, sondern aus Kontext, Geschmack, Situation und Machbarkeit.
Nicht dogmatisch zu werden, aber auch nicht beliebig.
Es ist ein Arbeiten mit klarer Haltung, ohne sich in starren Systemen zu verlieren.
Was Tapparo am Ende sein soll, ist schwer in klassische Kategorien zu pressen.
Es ist keine reine Tagesgastronomie, kein klassisches Café, kein Restaurant im traditionellen Sinn.
Eher ein Ort, der sich über den Tag verändert, ohne seine Identität zu verlieren. Morgens schnell und klar, mittags fokussiert und lebendig, später offener und ruhiger.
Ein Raum, der nicht über Inszenierung funktioniert, sondern über Selbstverständlichkeit.
Man kommt rein, nutzt ihn, bleibt vielleicht hängen oder geht weiter. Ohne Schwelle, ohne Code.
Wenn man lange genug über etwas spricht, kommt irgendwann der Punkt, an dem man es entweder lässt oder baut.
Wir sind an diesem Punkt nicht stehen geblieben.
Nicht, weil alles sicher ist. Sondern weil es sich richtig anfühlt, es jetzt ernst zu machen.
Es gibt keinen Moment, in dem sich alles fertig anfühlt. Aber es gibt Momente, in denen es klar ist, dass man weitergehen muss.
Das hier ist so einer.
Aus dem, was bisher Gedanken waren, wird jetzt Struktur. Aus Struktur wird Alltag. Und aus Alltag entsteht etwas, das wir erst dann wirklich verstehen werden, wenn es offen ist.
Wir wissen nicht genau, wie es sich anfühlen wird, wenn die ersten Gäste da sind.
Aber wir wissen, warum wir es tun.
Und im Moment reicht das.
Max & Anni
